27/07/2021

Die Verpackung der Zukunft: 3D-Druck als Innovationsquelle

Neue Prototyping-Verfahren erlauben ein flexibles und effizientes Verpackungsdesign und schonen gleichzeitig Ressourcen

Bei der Wertschöpfungskette für Verpackungen dreht sich alles um Effizienz. In schnelllebigen, vom Umbruch geprägten Zeiten sind nachhaltige und intelligente Fertigungslösungen wie die moderne 3D-Drucktechnologie wichtiger denn je. Mit ihrer Hilfe können maßstabsgetreue Modelle hergestellt, Ressourcen gespart und gleichzeitig Produktentwicklungsprozesse beschleunigt werden. Im zweiten Artikel unserer Interviewreihe zur Verpackung der Zukunft mit führenden Köpfen der Industrie unterhalten wir uns mit Lior Elgali, Produktmanager Verpackung bei Stratasys EMEA, Quadpacks Partner für ʻRapid Prototypingʼ.

Was ist ʻRapid Prototypingʼ und wie lässt sich dadurch ein Mehrwert für die Verpackung erzielen?

Rapid Prototyping ist ein iteratives Verfahren zur schnellen Erstellung von physischen Prototypen über einen digitalen Workflow. Visuelle Modelle geben Verpackungsdesignern die Möglichkeit, ihre Ideen intern und mit Kunden zu testen und Konzepte effizienter zu kommunizieren. Mithilfe von farbechten 3D-Druckverfahren erhalten Designer die Kontrolle über den gesamten Produktentwicklungsprozess: vom digitalen Design bis hin zum physischen Prototypen. Innerhalb von wenigen Tagen können 3D-Modelle intern gefertigt und – anstelle von E-Mails und Telefonaten – mit allen Stakeholdern geteilt werden. Markenmanager sind in der Lage, das Designvorhaben besser zu verstehen und so fundiertere Entscheidungen zu treffen. Marketingteams können ihrerseits schneller damit beginnen, visuelle Ressourcen mit täuschend echt aussehenden Modellen zu entwickeln.

Welche Entwicklungen sind bei den 3D-Druckverfahren für branchenspezifische Lösungen im Bereich der Kosmetik zu beobachten?

Wir sind ständig dabei, die wichtigsten Bedürfnisse unserer Verpackungskunden zu erforschen. Unser Ziel ist es, neue Lösungen für noch schnellere und einfachere Workflows zu entwickeln, die zu anspruchsvollen visuellen Prototypen führen. Besonders gefragt in der Kosmetikindustrie sind glasähnliche Transparenz, akkurate Farben und gestochen scharfer Text. In den letzten Jahren konnten wir Produkte einführen, die all diese Anforderungen erfüllen.

Inwiefern können 3D-Druck und Rapid Prototyping Marken dabei helfen, in einem Nachkrisenszenario zu innovieren?

Im vergangenen Jahr mussten wir uns auf die Arbeit im Home-Office am eigenen Computer umstellen und persönliche Kontakte durch virtuelle ersetzen. Designer hatten dadurch weniger Zeit, ihre Ideen in der Praxis auszuprobieren. Doch die Krise hatte auch ihr Gutes: Sie führte zu einer Beschleunigung der digitalen Transformation und einer Verbesserung von digitalen Workflows für 3D-Dateien und -Modelle, die sich allmählich zum Industriestandard entwickeln. Die Nutzung innovativer, betriebsinterner Geräte nach der Rückkehr ins Büro machte die 3D-Drucktechnik für Anwender überschaubarer und ließ ihnen mehr Zeit für das eigentliche Design. Aufgrund des dramatischen Anstiegs des Online-Handels in den letzten 18 Monaten müssen Marken Off- und Online-Kunden gleichermaßen ansprechen. Eine flexible Design-Umgebung für das Erproben visueller Modelle ist daher besonders wichtig.

Welche Rolle spielt der 3D-Druck für den nachhaltigen Transformationsprozess von Marken?

Die 3D-Drucktechnologie kann bei additiven Fertigungsverfahren dazu führen, dass die gegenwärtig vorherrschenden Lieferstrukturen durch lokale Produktionsstandorte abgelöst werden, die eine flexible und bedarfsorientierte Produktion für regionale Kunden erlauben. Bei der 3D-Prototyperstellung werden Modelle an Ort und Stelle ausgedruckt, ohne zusätzliche Umweltbelastung durch Lagerung und Transport. Durch iteratives Design und minimalen Materialeinsatz werden Zeit und Rohstoffe gespart: Nur das Ausgangsmaterial wird benötigt, das im fertigen Bauteil steckt. Dieselbe 3D-Ausrüstung kann außerdem ohne lange Wartezeiten zur Herstellung völlig neuer Produkte genutzt werden. So kam der Stratasys-Drucker von Quadpack während der Pandemie beispielsweise für die Herstellung persönlicher Schutzausrichtung zum Einsatz. Zudem können die Geräte ihre eigene Lebensdauer durch den Druck von Ersatzteilen verlängern.

Wie stellen Sie sich die Zukunft der Verpackung vor?

Ich glaube, dass die Ansprüche der Designer mit den Fortschritten der Industrie im Bereich der digitalen Arbeitsprozesse und additiven Fertigungsverfahren immer größer werden. Wir werden bald 3D-gedruckte maßgeschneiderte Produkte sehen, von denen wir bisher nur träumen konnten. Eine Verpackung dient vielen Zwecken. Ihre Funktionen reichen vom attraktiven Eyecatcher bis hin zum dekorativen Einrichtungsgegenstand. Ich gehe davon aus, dass Verpackungen dank 3D-Druck zunehmend filigraner und präziser werden.

 

Die Zukunft der Verpackung ist eine Interviewreihe, bei der Experten und Partner von Quadpack ihre Überzeugungen und ihr Wissen über bahnbrechende Branchentrends und Technologien teilen.